Alternative Treibstoffen

Beim Thema der alternativen Energien spielt die Heizung und der heimische Energiebedarf allgemein eine grosse Rolle. Allerdings wird ein sehr wichtiger Teil des heutigen CO2 Ausstosses vom sogenannten Individualtransport verursacht. Auch in diesem Bereich gibt es mehrere gute Alternativen zu herkömmlichem Benzin oder Diesel.

  • Bioethanol: Eine Mischung von Benzin mit bis zu 85% Bioethanol erlaubt eine CO2 Einsparung von 75% und spart dazu noch private Finanzen.
  • Biodiesel: wird aus ölhaltiger Biomasse wie zB Rapsöl oder Palmöl hergestellt.
  • Biogas: aus biologischem Abfall hergestellt, kann Biogas günstig produziert werden und findet immer mehr Anwendung vor allem im öffentlichem Verkehr.

Die Argumentation für oder gegen Biotreibstoffe ist in allen Fällen sehr ähnlich. Entscheidend ist letztendlich vor allem die Art und Herkunft der Biomasse. Kann diese auf energetisch sinnvoller Weise geerntet werden und kann daraus effizient Biotreibstoff hergestellt werden? Aus dieser Perspektive ist Biogas wohl die bessere Alternative, nur ist der technische Aufwand für das Fahrzeug grösser und daher teurer. Da hat Biodiesel den Vorteil, dass viel Dieselfahrzeuge auch ohne Änderungen heute schon diesen Kraftstoff verwenden können. Allerdings ist die Herstellung von Biodiesel sehr ressourcenintensiv: Landbaufläche, Wasser, Energie zur Produktion, usw. Auch Bioethanol ist in der ersten Generation ökologisch bedenklich (siehe unten), aber die Forschung stand nicht still und inzwischen kann Bioethanol durchaus ökologisch sinnvoll produziert werden.

Konkrete Erfahrungen hat die IG Solar (insbesondere Ihr Webmaster :-) im Bezug auf Bioethanol, da wir seit einiger Zeit ein Ford Focus FlexiFuel fahren. Wir nehmen daher diesen Treibstoff als Beispiel für eine Analyse von Vorteilen, Nachteilen und alltägliche Tauglichkeit.

Bio Ethanol (E85)

Ethanol ist der Alkohol, welcher auch in Bier, Wein und Spirituosen vorkommt und auch die Herstellung von Bio-Ethanol hat starke Ähnlichkeiten mit wie zum Beispiel Vodka oder Schnäpse hergestellt werden. Der Unterschied ist aber, dass Bioethanol, welcher für die in der Schweiz erhältlichen Kraftstoffen angewendet wird, weniger als 1% Wasser oder andere Verunreinigung haben darf. Destillation hört bei etwa 80% auf; die chemischen und biologischen Prozesse für die letzten paar Prozente sind also entsprechend aufwendig. Anderes Ethanol, wie zB in gewissen Reinigungsprodukten oder Parfums werden meist als Erdölprodukt synthetisch hergestellt. Das ist zwar billiger, aber damit ist der Ethanol dann letztendlich kein Ersatz für das Erdöl und somit auch keine Alternative.

Biokraftstoffe auf Basis von Ethanol sind in zwei verschiedenen Mischungen verfügbar (in der Schweiz): E5 und E85. Die erste Variante E5 ist eine Mischung aus 95% normales ROZ 95 (Oktan) Benzin mit einer Beimischung von 5% Ethanol. Grosser Vorteil ist, dass mit dem 5%igen Ethanolanteil zumindest ein wenig Klimaneutralität nachgestrebt wird, währenddessen auch der dauerhafte Einsatz in herkömmlichen Fahrzeugen keinen Schaden an Motor oder Benzinleitungen verursacht. Der Nachteil ist natürlich, dass ihre umweltfreundliche Wirkung entsprechend nahezu null ist, und im Sinne von Kyoto keine dauerhafte Lösung sein kann. Ausserdem reisst sich der Absatzmarkt nicht unbedingt um dieses Produkt, was sich zum Beispiel in der verkrampften marketingtechnischen Namensgebung "bEnzin5" widerspiegelt, bzw. Tankstellen machen nur ganz unspektakulär auf dem Unterschied zu herkömmlichem Benzin aufmerksam. Dennoch geht der Trend dahin, dass weltweit immer mehr Länder (zB USA) dieses E5 oder E10 gesetzlich fördern und fordern.

Interessanter wird's aber bei E85. Statt 5% wird bei diesem Treibstoff 85% Ethanol mit 15% Benzin gemischt. Ganz ohne Benzin kommt man noch nicht aus (siehe: E100, unten). Da dieser E85 die momentan sinnvollste Variante ist, konzentrieren wir uns hier auf diesen im Volksmund auch einfach Bioethanol genannten Kraftstoff.

Was sind FFV's?

FFV steht für Flexi Fuel Vehicle; diese Fahrzeuge sind letztendlich handelsübliche Modelle welche mit einer variablen Mischung von Bioethanol und Benzin umgehen können. Die wichtigste Vorkehrung ist also, dass das Auto ständig die Mischung aus Benzin und Ethanol (0% bis 85%) kontrolliert und den Motor dynamisch auf die verändernde Klopffestigkeit einstellt. Herkömmliche Motoren würden nämlich durch die ganz andere Abstimmung zwischen Zündung und Explosion ziemlich bald einen Motorschaden davontragen.

Daneben hat Ethanol eine auflösende Wirkung auf Gummi und gewisse Plastiken, welche auf Dauer die Benzinleitungen angreifen würde. Diese Leitungen wurden in einem FFV also mit einem beständigeren Material hergestellt.

Was sind die Vorteile von Ethanol?

Bio Ethanol als Kraftstoff hat eine ganze Reihe von Vorteilen gegenüber Benzin oder Diesel.

Am meisten hervorgehoben werden wohl folgende ökologische Vorteile:

  • Als wichtigstes Argument gilt, auf Grund der aktuellen Debatte zur Klimaerwärmung, dass Ethanol CO2-neutral ist (dass das so nicht ganz stimmt, darauf gehen wir nachher noch ein). Die Argumentation ist, dass das in der Verbrennung von Ethanol freigesetzte CO2 genau die Menge CO2 entspricht welche die Biomasse zuvor aus der Atmosphäre aufgenommen hat. Somit würde man langfristig 85% weniger CO2 produzieren als mit normalem Benzin.
  • Aber ausser CO2, ist Ethanol auch sonst wesentlich schadstoffarmer als Benzin oder Diesel. Ethanol produziert 80% weniger Schwefelverbindungen, davon insbesondere Schwefeldioxid (SO2), 40% weniger Kohlemonoxid (CO), 20% weniger Feinstaub, etwas weniger Stickstoffdioxid. Zwar hatte die Diskussion über SO2 und den sog. Sauren Regen in den 80ern etwas von einem Hype, aber in der Natur gehören dennoch keine erhöhte Konzentrationen und SO2 trägt auch an Smogformung bei.
  • Ethanol ist biologisch viel besser abbaubar als Benzin oder Diesel. Entweichende Dämpfe beim Tanken, weggeworfener oder auslaufender Treibstoff verschmutzen also nicht dauerhaft.
  • Ethanol wird lokal hergestellt, was lange Transportwege vermeidet und die regelmässig wiederkehrende Katastrophen mit Öltankern gehören irgendwann der Vergangenheit an.

Daneben wird neulich auch viel auf politische und wirtschaftliche Argumente aufmerksam gemacht:

  • Ethanol ist ein landwirtschaftliches Produkt, dessen Herstellung nicht von einzelnen ölfördernden Staaten (=OPEC) abhängt. Statt also Öldollars in entfernten Ländern des mittleren Ostens, Russland und Südamerika zu exportieren, gibt man der lokalen Landwirtschaft die Gelegenheit mit diesem Geld ein zweites Standbein aufzubauen. Das schafft Arbeitsplätze, verschönert die Exportbilanz der Schweiz und eliminiert eine strategische Abhängigkeit zwischen unserer Wirtschaft und den Willen dieser ölfördernden Nationen. Ausserdem sind die betroffene Länder nicht immer auf einer Linie mit unseren Vorstellungen von demokratischer, religiöser oder kultureller Freiheit.

    Dass dieses Argument prinzipiell auch für die Schweiz gilt, steht ausser Frage. Es wird aber in den Medien gerne etwas überstrapaziert, vor allem wegen der amerikanischen Sichtweise auf Biotreibstoffen. Leider ist es nämlich so, dass die Produktionskapazität momentan nicht mal annähernd einen Ersatz für Ölprodukte bietet und nur die simultane Entwicklung von Angebot und Nachfrage sinnvoll ist. Dass das ein langwieriger Prozess ist, wird manchmal gerne vergessen - was dazu führt dass z.B. die US Politik Forderungen stellt die bei heutigem Technologiestand alleine schon auf Grund des verfügbaren Baulands nicht realisierbar sind.
  • Im sprachbildenden Stern-Report wurde ein trockener aber kristallklarer Vergleich gemacht zwischen den notwendigen Investitionen in Klimapolitik jetzt, und den Kosten der klimatologischen Folgen wenn's dann in 10 Jahren zu spät ist. Fazit: diesen Folgen zu vorkommen ist etwa sechs Mal günstiger. Der individuelle Transport ist in einem westlichen Land wie die Schweiz für etwa 20% des CO2 Ausstosses verantwortlich - ein Umstieg auf Ethanol macht nicht nur diesen Anteil geringer, sondern setzt ausserdem ein Zeichen für die Produzenten von den restlichen 80%
  • Die Förderung von E85 ist eine von vielen Massnahmen, welche es der Schweiz erlauben die versprochene Klimaziele zu realisieren ohne dass jemand in irgendeiner Form an Lebensqualität einbüssen müsste. Daneben kann die Schweiz über das Ethanol eine gewisse Entwicklungspolitik betreiben, da Ethanol zum Teil aus wärmeren Ländern bezogen wird. Dass das aber kaum ein bedenkenloser Vorteil ist, dazu gleich mehr.
  • Bioethanol ist ein nachwachsender Energieträger, welche die Folgen einer Ölknappheit lindern kann, ohne dass Sie als Bürger einschneidende Einschränkungen befürchten müssen und ohne dass die bestehende Automobilindustrie gross umstellen muss.

Aber auch ganz praktische Vorteile springen für den Konsumenten heraus:

  • E85 ist wesentlich billiger pro Liter (etwa 30 Rp.) und dieser Unterschied wird tendenziell eher grösser, weil das Rohöl teurer wird, während der Ethanolpreis recht stabil gehalten wird. Zwar ist der Verbrauch höher (siehe Nachteile unten) aber bei entsprechend schonendem Fahrstil bleibt bereits heute ein kleiner Restvorteil. Die Politik diskutiert aber eine Vorlage des Mineralölgesetzes ab Sommer 2008, der Biokraftstoffen wie Ethanol von den Steuern befreit, wodurch der Kilometerpreis eine wirkliche Nettosenkung bekommt. Momentan bezahlt man 0.72 Fr./Liter Steuern auf Bioethanol; E85 würde also etwa 60 Rp. günstiger als Benzin werden. Diese Steuerbefreiung ist in Ländern wie Deutschland bereits realität, wodurch der Preisunterschied dort etwa 70 Rp. ist (97ct statt 1,50 euro). Dies führte bislang aber nicht wirklich zu einem 'boom'...
  • A propos Fahrstil: E85 gibt eine spürbar bessere Motorleistung als normales Benzin. Zwar macht die Aussage chemisch keinen Sinn, aber Ethanol wird gerne mit einer Oktanzahl von 106 ausgewiesen, was für E85 immerhin eine Klopffestigkeit von 104 ergibt. Diese höhere Klopffestigkeit bedeutet, dass im Hubraum eine spätere Zündung bei höherer Kompression möglich ist mit entsprechend mehr Leistung.
  • Umweltbewusstsein ist umgekehrt auch eine Art persönlicher Beitrag an die Zukunft unserer Nachfahren. Zwar ist E85 nur der Anfang, aber die Tatsache "dass man was macht", trägt auch am Fahrspass bei.
  • Die Abgase riechen gar nicht mal unangenehm, und Bioethanol ist ein interessantes Gesprächsthema :-)

Was sind die Nachteile von Ethanol?

Ganz so einwandfrei ist Ethanol als Treibstoff aber auch wieder nicht (es wurde oben schon angetönt).

  • Die Herstellung und der Transport von Ethanol kostet auch Energie und produziert somit auch CO2. Diese Energie wird für die Landwirtschaft, Logistik und Herstellung von Dünger und Pestiziden benötigt zum Beispiel. Wieviel Energie das kostet, hängt aber sehr stark vom Biomaterial aus das der Ethanol hergestellt wird, ab. Die medial aufbereitete öffentliche Diskussion über diesen Aspekt bezieht sich nämlich stark auf Erfahrungen in den USA. Der dortige ungesund hohe politische Druck auf die Nachfrage führt dazu, dass die Wirtschaft auf Herstellungsmethoden die am schnellsten kommerziell gewinnbringend realisiert werden können, zurückgreift. Und diese basieren in erster Linie auf qualitativ hochstehenden Produkten wie Getreiden, Mais und Kartoffel. Die Herstellung von einem Kilo Getreide braucht extrem viel Aufwand weil der Ertrag pro Quadratmeter gering ist und die Getreidekammer Amerikas in klimatisch gemässigten Gebieten sind. Die Herstellung von Ethanol aus Getreide oder Mais macht mehr als 80% von dem CO2 Spareffekt wieder zunichte.

    Das ist auch der Grund, wieso E85 in der Schweiz nicht aus Getreiden, Mais oder anderen qualitativ hochstehenden Produkten hergestellt wird. Der Ethanol in der Schweiz wird vorrangig aus Zellullose hergestellt, sprich aus Holz, Gras, Spreu, usw. Diese wird bakteriologisch, enzymatisch oder chemisch zersetzt und das Halbprodukt wird zu Ethanol verarbeitet. Da dies ein mühsamer Prozess mit noch bescheidenen Erträgen ist, wird das Angebot mit Ethanol aus Brasilien ergänzt. Dieser wird aus Zuckerrohr hergestellt, welche nicht nur mehr Ethanol pro Kilo Biomasse produziert, sondern die Pflanzen wachsen in klimatisch besserer Umgebung (Tausende Kilometer vom Regenwald entfernt, um dieses Bedenken kurz anzusprechen). Und weil Brasilien seit den 80ern konsequent auf Ethanol umgerüstet hat, geht die Produktion nicht auf Kosten der Grundernährung.
  • Je nach Auswahl vom Basismaterial, besteht eine Konkurrenz zur Lebensmittelherstellung. Ganz einprägsam wurde dies vor einiger Zeit in Mexiko sichtbar, als die ärmere Bevölkerung auf die Strasse ging, weil der drastisch angestiegene Kilopreis für Mais die Tortillas ums Vierfache verteuert hatte. Aber auch sonstwo steigen die Preise für Getreide und andere Zutaten für Lebensmittel.
  • Der Anbau vom Basismaterial woraus Ethanol hergestellt wird, führt zu Monokulturen, wenn die Politik nicht zu einer Diversifizierung motiviert. Dies passiert zum Beispiel in den USA, wo Mais und Getreide aus wirtschaftlichen Gründen zuhauf für die Ethanolproduktion angebaut werden und damit andere Produkte verdrängt. Dies macht wiederum diese anderen Produkte knapper und somit teurer.
  • Ethanol hat eine relativ geringe Energiedichte, was sich konkret in einem spürbar höheren Verbrauch pro 100 Kilometer bemerkbar macht. Und zwar etwa 25% in der Praxis. Für den privaten Konsument wird dieser höherer Verbrauch durch den tieferen Literpreis (siehe oben) ausgeglichen. Was bleibt, ist die geringere Reichweite. Für die Umwelt ist es letztendlich egal, weil die geringere Energiedichte eine verhältnismässige Senkung vom CO2 Ausstoss pro Liter bedeutet, so dass effektiv die gleiche Menge CO2 pro Kilometer resultiert wie Benzin oder eine andere organische Kraftstoff. Aber eben: klimaneutral halt.
  • Ethanol ist schwieriger zu transportieren und zu speichern. Erstens verflüchtigt es schneller, aber wichtiger ist, dass Ethanol wasserlöslich ist und dazu noch leicht hydrophil - sprich es zieht Wasser aus der Luft an oder Wasser kann bei Transport oder Lagerung aus versehen dazugemischt werden. Ethanol muss also entsprechend transportiert und gelagert werden. Ausserdem besteht auch während der Produktion immer das Risiko, dass man das Wasser nicht vollständig vom Ethanol trennen kann, was dazu führt dass die Produktion entsprechend aufwendiger oder energie-intensiver wird. Dies ist bislang eine wesentliche Herausforderung für die Forschung und Entwicklung von kommerziell machbaren Herstellungsmethoden.

    Wesentlich besser verhält sich an der Stelle Buthanol. Dieser Alkohol mischt sich nicht so leicht mit Wasser und kann wie normales Benzin transportiert werden. Ausserdem besitzt Buthanol mehr Energie pro Liter, aber seine Herstellung in industriellem Umfang ist momentan noch schwierig.
  • Es gibt bislang nur etwa 40 Tankstellen mit E85 in der Schweiz, wovon die allermeisten aber in der Deutschschweiz. Vor allem im Ausland gibt es noch nicht sehr viele, obwohl die Tankstellendichte zB in Schweden bedeutend höher ist als in der Schweiz. Dagegen einzuwenden ist allerdings, dass die erste Tankstelle überhaupt erst Mitte 2006 eröffnet wurde und man bei einem derart rasanten Wachstum die Hoffnung haben darf, dass es bald auch auf Ihrem täglichen Arbeitsweg eine Tankstelle gibt. Ausserdem kann ein E85 betriebenes Auto meist eine beliebige Mischung aus Benzin und Ethanol fahren und somit entstehen keine 'Durststrecken'. Auf www.bioe.ch findet man eine aktuelle Liste von Tankstellen.
  • Ethanol kann bei einem ganz kalten Kaltstart Probleme machen wodurch der Motor nur schwer anspringt. Ganz kalt bedeutet allerdings -10°C oder noch kälter, was in einer Einstellgarage sowieso nicht passieren dürfte. Ausserdem sind FFVs mit einer (als Notfall gedachten) elektronischen Vorrichtung ausgerüstet, welche den Motor übernacht warm hält, wenn man diese über ein mitgeliefertes Kabel ans Stromnetz hängt. Bei den gängigen Wintertemperaturen in der Schweiz sollte man den aber getrost vergessen dürfen - in diesem Winter haben wir jedenfalls keinen Einfluss bemerken können.
  • Der Anschaffungspreis von einem E85 FFV liegt im Schnitt etwa Sfr.1500,- höher, dafür darf man bei den meisten KFZ-Versicherungen hoffen auf ein paar Hundert Franken Vergünstigung. Daneben ist die Politik dem innovativen E85 eher günstig gestimmt. Vielleicht übernimmt die Schweiz irgendwann die Beispiele im Ausland, wie zB die Befreiung vom "Congestion Charge" in der Londoner Innenstadt oder die Parkgebühren- und Mautbefreiung in u.a. Stockholm.

Als Fazit ist wohl wieder die Politik am Zug. Die Anwendung von Bioethanol ist kein bedingungsloser Fortschritt. Essentieller Ausgangspunkt ist die Wahl des Basismaterials. Optimal ist die Herstellung aus Zellullose, wofür allerdings die skalierbaren und damit kommerziell lebensfähigen Verfahren noch in der Forschungsphase sind. Zum Glück hat die schweizer Politik dies auch erkannt und fördert gezielt die Herstellung aus Zellullose. So muss man beim Tanken von E85 die Beschwerden hier oben nur zum Teil persönlich nehmen.

Welche Fahrzeuge gibt es, die E85 tanken können?

Auf www.bioe.ch wird eine Liste von Herstellern und Modellen von FFV's geführt, welche auch in der Schweiz vertrieben werden.

Konkret gibt es auf dem schweizer Markt folgenden FFV's zu kaufen (Gebrauchtwagen wird's wohl noch nicht so viele geben...)

  • Von Saab: 9-3 1.8 und 2.0, sowie 9-5 2.0 und 2.3
  • Von Ford: Focus Kombi, Mondeo, Galaxy, S-Max und C-Max
  • Von Volvo: C30, S40, V50, V70 und XC60

Daneben gibt es die Möglichkeit, jedes Benzinfahrzeug auf E85 nachzurüsten. Dies ist kein teurer Eingriff und nur wenig intervenös, hat aber leider den Nachteil, dass die Flexibilität eines FFV, zwischen E85 und Benzin zu wechseln, nicht gegeben ist. Beim momentanen Tankstellennetz ein entscheidender Nachteil.

Wo gibt es Tankstellen mit E85?

Die allermeisten Tankstellen findet man in der Deutschschweiz und davon sind wiederum die allermeisten von der Agrola/Landi. Vereinzelt bieten auch selbständige Tankstellen und Avia E85 an. Auf www.bioe.ch findet man eine aktuelle Liste von Tankstellen in der Schweiz.

International ist Schweden der ganz klare Führer in Europa. Dank Saab's und Volvo's Bemühungen bekommt man dort an den meisten Tankstellen schon E85, parkiert ein FFV in Stockholm gratis und das Land hat sich als Ziel gesetzt, bis 2020 gänzlich auf Erdöl zu verzichten.

Auch in Deutschland ist man betreffend Bio-Kraftstoffen ein Stück weiter. Dort dominiert allerdings vor allem Biodiesel. Bioethanol ist noch längst nicht so verbreitet, profitiert aber gleichzeitig vom veränderten Bewusstsein und dem Aufbau der Logistik.

Wieso gibt es keinen E100?

Den gibt es schon, und wird in Brasilien auch getankt. E100 ist ökologisch natürlich auch 15% besser als E85, nur hat Ethanol bei niedrigen Temperaturen zu wenig Kraft für den Kaltstart. Der Motor muss mindestens 13°C sein, was in Brasilien kein Problem ist aber die Akzeptanz in unseren Regionen wohl gefährden würde. Auch wäre 100%iger Ethanol Gegenstand einer Spirituosensteuer. Mit einem Benzinanteil von 15% ist dieser nicht nötig weil sich der Ethanol nur ganz schwer (sprich kostenintensiv) wieder vom Benzin trennen lässt - beide verflüchtigen etwa bei der gleichen Temperatur.

Unsere persönliche Erfahrungen

Wir persönlich fahren einen Ford Focus Kombi 1.8, FFV. Eigentlich ist unsere wichtigste Erfahrung bis jetzt, dass der E85 Betrieb im alltäglichen Umgang kaum einen Unterschied gemacht hat. Es ist ein ganz normales Auto (nur am Heck gibt's einen kleinen Aufkleber) und das Fahren wird nicht teurer oder mühsamer. Auch beim Anschaffungspreis ist der Unterschied minimal (um die Fr.500 bis Fr.1000). Im Verbrauch ist E85 zwar weniger sparsam, dafür ist der Literpreis niedriger und es bleibt unter dem Strich ein ganz kleiner Nettovorteil. Der jährliche Versicherungsbeitrag ist etwa Sfr.150,- günstiger.

Dass sich das Tankstellennetz noch in der Anfangsphase befindet, ist auch kein Nachteil. Ein FFV kann ohne weiters als 100%iger Benzinwagen gefahren werden. Aber das Tankstellennetz wächst rasant schnell und seit dem 19. Januar bietet die Tankstelle der Landi in Kölliken auch E85 an, wodurch wir täglich an Einer vorbeifahren.

Die Anschaffung eines FFV war aber vor allem der logische nächste Schritt, als wir uns nach einem grösseren Auto umgeschaut haben. Die Vorteile wie ich sie oben beschrieben habe, sind uns wichtig und sind an sich Grund genug. Eigentlich wäre ein E85-betriebener BlueMotion Hybrid die ideale Lösung gewesen (auch für die persönlichen Finanzen), aber die gibt es leider noch nicht.

Wo gibt's mehr Information?

Das Thema Bioethanol ist in aller Munde und entsprechend umfangreich sind die Infos im Internet. Hier ein paar persönliche Favoriten.

  • Die Interessengemeischaft Bio Ethanol in der Schweiz findet man im Web unter www.bioe.ch.
  • Wie immer hat auch die Wikipedia eine exzellente Sammlung Artikel zu diesem Thema. Angefangen mit Ethanol Kraftstoff.
  • Im Technology Review vom MIT in Cambridge MA gibt es hin und wieder mal einen interessanten Artikel über Fortschritte in der Forschung nach besseren Methoden zur Herstellung von Bioethanol. Einige von den Artikeln werden auch vom Heise Verlag im gleichnamigen Heft auf Deutsch veröffentlicht.
  • Die Webseite E85-fahren.ch wird von einem schweizer Anbieter betrieben, der herkömmliche Fahrzeuge auf E85 umrüstet. Neben Werbung in eigener Sache gibt es viele interessante Details zum Thema Bioethanol.
  • In unserem Blogeintrag gehen wir ein auf die genannte Preissenkung für E85 durch die geplante Steuerbefreiung von biologischen Kraftstoffen