Energie sparen: das grösste Kraftwerk zuhause

Bei der ganzen technischen Diskussion wird oft vergessen, dass die Schweiz gleich mehrere AKW's abschalten könnte ohne die immer wieder heraufbeschworene Versorgungslücke zu befürchten, wenn ihre Bürger sich die wichtigsten Massnahmen zum Energiesparen zu Herzen nehmen würden. Der Grund dass dies nicht passiert liegt wohl eher weniger an diesen Bürgern (schon gar wenn Sie's bis hier geschafft haben :-) als der Schwierigkeit überhaupt zu erklären wieviel man wo auch selber sparen kann.

Hier möchten wir das Thema etwas greifbar machen und ein paar konkrete und wichtige Massnahmen durchrechnen.

Weniger ist mehr

Des Problems Lösung steckt nicht einfach darin zu sagen, dass der Umwelt am Meisten gedient wäre, wenn man Elektrogeräte einfach vermeidet. Doch es hat schon was - auf den richtigen Einsatz und Verbrauch kommt es an.

Beispiele:

Beschreibung Leistung In Gebrauch Nullstrom Totalverbrauch
Wäscheleine statt Wäschetrockner Watt Std/Woche Watt kWh / Jahr
Handbedientes statt automatisches Garagentor Watt Std/Woche Watt kWh / Jahr
Treppenlaufen statt Aufzug Watt Std/Woche Watt kWh / Jahr (zB 450kg Aufzug, 1 Person aufwärts)
Wischen statt Staubsaugen Watt Std/Woche Watt kWh / Jahr
Staubbesen statt Handstaubsauger (Akku) Watt Std/Woche Watt kWh / Jahr
Total kWh / Jahr
Total CHF / Jahr

Nullstrom meiden

Nullstrom ist die Energie, die elektrische Geräte brauchen während Sie nicht in Funktion sind sondern im Standby oder generell unter Spannung stehen. Dieser Nullstrom lässt sich kaum vermeiden, weil Geräte mit einer anderen Spannung intern arbeiten als die 220V vom Netz und diese entsprechend herunter transformiert werden muss. Der verantwortliche Transformator hat zwangsläufig immer einen geschlossenen Stromkreis und es läuft immer Strom. Hier ein paar der wichtigsten Beispiele.

Beschreibung Nullstrom Jahresverbrauch
Fernseher (nicht LCD, Plasma...), DVD player und Settopbox (zB Bluewin TV, Cablecom) Watt kWh / Jahr
Waschmaschine und Tumbler Watt kWh / Jahr
Computer (nicht Laptop), Monitor, Drucker und Internetmodem Watt kWh / Jahr
Stereoanlage Watt kWh / Jahr
Ladegeräte für Handy's, Rasierer, elektr. Zahnbürste, ... Watt kWh / Jahr
Espressomaschine, Mikrowelle, Küchenhilfe, ... Watt kWh / Jahr
Total: kWh / Jahr
Total: CHF / Jahr

Was also tun um diesen sinnlosen Verlust zu vermeiden: ganz einfach. Geräte die nicht gebraucht werden, nicht im Standby lassen sondern ganz ausschalten (zB Fernseher), ganz ausstecken (zB Waschmaschine) oder mit einer Mehrfachsteckdose zu einer elektrischen Gruppe verbinden und mit einem Hauptschalter ausschalten (zB PC und Zubehör).

Nur den Tintenstrahldrucker sollte man nicht vom Stromnetz nehmen, wenn man ihn öfters als ein paar Mal in der Woche einschaltet. Das Problem ist meistens, dass das Gerät seine Druckköpfe bei einem kalten Start automatisch sauber macht und dabei relativ viel Tinte verloren geht. Dadurch sind die Patronen schneller leer, was teurer ist als man sich beim Stromverbrauch einspart.

Auch Settopboxes kann man nicht ausschalten, wenn gerade was aufgenommen wird. Im schlimmsten Fall führt dies zu Schreibefehler und fehlerhaften Sektoren auf der internen Festplatte.

Sparsame Geräte wählen

Alte Geräte stammen oft noch aus einer Zeit wo die KWh Strom sehr wenig kostete und überhaupt die Diskussion nicht sehr aktuell war. Inzwischen haben sowohl die Nachfrage als auch die gesetzlichen Forderungen nach stromsparenden Geräten dafür gesorgt, dass sich ein Ersetzen vom alten Gerät schneller lohnt als man denkt. Moderne Küchengeräte zum Beispiel haben heute fast alle die Energieklasse A oder besser. Erwähnenswert sind dabei insbesondere zum Beispiel Waschmaschine, Kühlschrank/Gefriertruhe, Warmwasserboiler, usw. Einerseits gehen sie sparsamer mit Strom um, andererseits sind sie meist besser isoliert.

Dagegen sind zB der alte Elektroherd, Wasserkocher oder Backofen nicht unbedingt viel effizienter geworden, weil Hitze produzieren bereits mit hohem Effizienzgrad geschieht. Ein Wasserkocher zum Beispiel erreicht mehr als 90% Effizienz aus seinem Strom - egal wie alt.

Eine Vergleichsrechnung wie oben zu machen, ist schwierig. Ein moderner Kühlschrank braucht zB 200 kWh/Jahr wo ein 10 Jahren alter Kühlschrank vielleicht das Doppelte braucht. Aber da ist jedes Gerät anders. Aber was sich ganz klar berechnen lässt, sind Sparlampen gegenüber Glühbirnen:

Anzahl Glühbirnen Sparlampen Laufzeit pro Lampe Ersparnis
Lampen Watt Watt Std/Jahr kWh / Jahr
Total: CHF / Jahr

Heizen

Heizen mit Öl wird immer weniger, und dies mit gutem Grund. Einerseits steigt der Ölpreis stätig, andererseits realisiert man die CO2 Ineffizienz einer solchen Anlage, im Vergleich mit modernen Heizsystemen wie Wärmepumpe, wahlweise mit Erdsonde. Der WWF hat einen detaillierten Vergleich in Excel gemacht. Je nach Ölpreis ist eine Wärmepumpe 30% günstiger im Jahr und verursacht um die Hälfte weniger CO2.

Sparpotenzial: Sfr.1000,- pro Jahr (160m2 NWF)

Mehr Tipps

Es gibt viele Möglichkeiten, Energie zu sparen. Oben wurden schon ein paar Ideen quantifiziert, aber es gibt mehr.

  • Schalten Sie Licht und Geräte aus wenn Sie sich nicht im Raum aufhalten und bringen Sie es ggf den Kindern auch so bei.
  • Laptop statt Desktop: bei der nächsten PC Anschaffung einen Laptop wählen. Ein Laptop braucht 40Watt, ein Desktop 150Watt und mehr, ausserdem ist er mobil und platzsparend, und schaltet bei Stromausfall nicht gleich aus (die Frustration kennt wohl jeder Computerbenutzer...). Der Preisunterschied mag heutzutage gegen die Vorteile nicht mehr bestehen. Darüberhinaus gibt es auch unter den Laptops energiesparsame Modelle die entsprechend gekennzeichnet sind. Ersparnis: mindestens 70%, bei einer Stunde in der Woche schon 6 kW pro Jahr.
  • Geschirrspülen: Unter der Bedingung, dass die Maschine voll ist und von der Energieklasse A oder besser (A+), spart eine Geschirrspülmaschine im Verbleich zum Handabwasch etwa 70% Warmwasser. Aber neben dem Wasser spart man in diesem Fall auch die Energie um dieses von 20° auf 60° zu erhitzen (Boiler). Daneben ist es bequemer und hygienischer (ein Schwamm der mehr als ein paar Tage in Gebrauch ist, hat tausendmal mehr Bakterien als jede Toilette).
    Rechenbeispiel: ein Waschbecken fasst 35 Liter, eine grosse Ladung schmutziges Geschirr braucht etwa 40 Liter (vorspülen, Seife abspülen, Wasser nachfüllen, usw.) das vom Boiler von 20°C auf 60°C erwärmt werden muss. Wasser braucht 4180 J/kg.°C, heisst 1,85 kW - noch ohne Effizienzverlusten. Laut Herstellerangaben braucht zB der V-Zug Adora N60 nur 1.08 kW pro Durchlauf. Ersparnis: etwa 40%.
  • Beim Kochen können folgende Tipps vieles ausmachen:
    • Deckel auf den Topf halten, so dass die Wärme nicht sinnlos verdampft und das Gericht darüber hinaus schneller fertig gekocht ist.
    • Elektronische Kochplatten ein paar Minuten vor Ende schon abschalten und zum Warmhalten verwenden. Bei einer Leistung von 1600 Watt spart man sich so in 2 Minuten mehr Strom als eine Sparlampe in einer ganzen Stunde.
    • Sorgen Sie dafür, dass der Durchmesser vom Topf und Kochfeld übereinstimmen. Bei zu kleinen Töpfen entweicht die Wärme, bei zu grossen Töpfen braucht man extra Lange.
    • Kochen auf einem Induktionsherd statt Keramik oder Elektroherd ist energiesparend weil es nur den Topf erhitzt und nicht den Herd. Daneben ist es bequemer zum Kochen und sicherer weil der Herd kaum heiss wird (Kinder!).
    • Die Mikrowelle ist sehr viel effizienter wenn es darum geht, etwas aufzuwärmen. Die Mikrowelle braucht viel weniger Zeit, braucht nur ein Drittel der Energie (600W statt 1600W) und arbeitet steriler.
    • Wasser erhitzen tut man am Besten mit einem Wasserkocher. Das geht 10x schneller und ist somit 10x günstiger im Verbrauch als zB ein Elektroherd.
  • Informieren und überzeugen Sie sich selber und kaufen Sie sich ein Messgerät für den Stromverbrauch. Für etwa Sfr.20,- erhält man schon ein günstiges Messgerät im Mediamarkt oder Fachhandel den einen ersten Eindruck vom Stromverbrauch ermittelt. Wenn die Messergebnisse allerdings zuverlässig sein sollen, lohnt sich ein teureres Modell meist eher.

Daneben helfen folgende Tipps, den Energieverbrauch der schweizerischen Gesellschaft generell zu mindern.

  • Versuchen Sie wo möglich Ihren Kehrricht zu recyklieren. Glas, Papier aber insbesondere Aluminium und Alteisen aus den Grundstoffen herzustellen ist um ein mehrfaches energie- und ressourcenintensiver als Recycling. Insbesondere die Aluminiumproduktion ist sehr energieintensiv.
  • Legen Sie kurze Distanzen zu Fuss oder mit dem Fahrrad zurück. Auto und Co. sind sehr ineffizient auf kurzen Strecken, weil sie überproportional lange im Leerlauf funktionieren, und da bei niedrigen Geschwindigkeiten und bei kaltem Motor sehr viel Treibstoff verpufft wird.
  • Kaufen Sie wo möglich von lokalen Herstellern, z.B. bei der Chäsi Safenwil, Landprodukte im Volg, oder direkt vom Hofladen, um Transportwege kurz zu halten. Wichtig ist allerdings, dass man dafür nicht extra das Auto starten muss, weil alleine damit macht man jeden energetischen Vorteil wieder zunichte.